Wenn dir keiner hilft

von Ramona Droste


Cover Wenn dir keiner hilft

Eine unbeschwerte Kindheit kennt Maren ebenso wenig wie ihre geschiedenen Eltern in der Großstadt; sie wohnt bei den Großeltern. Erfährt am eigenen Leib, dass es nicht jeden zukommt aufgefangen zu werden. Früh lernt Maren lesen, beobachten und vergleichen. Aber Rike, das Omilein, benutzt Maren nicht nur als Spielball um ihre Machtkämpfe, sondern drangsaliert und misshandelt sie. Die Umwelt sieht weg. Da nimmt Maren Reißaus...



Softcover,  204 Seiten
ISBN: 978-3-9817395-5-8

€ 13,95 | LESEPROBE




Buchrezensionen:


Brigitte Schubert hat folgende Rezension für das Buch "Wenn dir keiner hilft" von Ramona Droste geschrieben.


Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Es hat mich in eine schon längst vergangene Zeit und in eine andere fremde Welt hineingenommen.
Dieser Lesestoff macht mich zugleich traurig, fassungslos, wütend. Er bedrückt mich sogar. Er umfasst ein zeitloses und doch dramatisch nahes Thema und wiederspiegelt es ungekünstelt.
Die kleine Maren hat trotz oder gerade wegen ihrer jungen Jahre eine Kraft und Intensität, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich habe mit ihr gelitten und auf einen guten Ausgang gehofft.
Warum nur hat "Omilein" Maren für ihre Machtspiele mißbraucht? Warum war ihre Mutter nie da? Maren wartete doch so sehr ...
"Omilein" - eine niedliche Umschreibung für ein Monster. Maren wollte für ihre kleine Seele Schutz und Liebe, kämpfte darum und wurde wieder und wieder enttäuscht.
Ich habe mich gefragt, warum ihre eigene Familie so voller Gewalt war.
Auffällig sind die vielen  Dreizeiler mitten im Text. Sie verleiten zum Innehalten und Nachdenken. Der Schreibstil ist flüssig, die Handlung packend. Trotzdem nicht reißerisch.
Die Geschichte geht direkt ans Herz. Ich hätte der kleinen Maren gern geholfen.
Ich bewerte dieses Buch mit vier Sternen. Es hat mich von Anfang an fasziniert."




Rezension von Sandra Kersten
Ramona Droste: Wenn dir keiner hilft


Der Einband des Romans „Wenn dir keiner hilft“ verspricht die Geschichte eines Kinderschicksals, das in der DDR in den 1960er Jahren angesiedelt ist.
Die Kriegshinterlassenschaften sind noch nicht beseitigt. Die Menschen im Osten arbeiten hart, um ihrem Leben kleinen Wohlstand abzuringen. Geld ist knapp und wer Haus und Hof zu versorgen hat, muss findig genug sein, sich die entsprechenden Mittel zu beschaffen. Wie schwer ist es in dieser Situation und noch dazu für Großeltern, das einzige Enkelkind vorgesetzt zu bekommen, von dessen Erziehung sich die leiblichen Eltern distanzieren?
Doch geht es nicht vordergründig um die Herausforderungen der in dieser Situation ein zweites Mal in die Rolle der Mutter und des Vaters gedrängten Großeltern. Der Roman zeichnet mitreißend und mitfühlend das Seelenleben der kleinen Maren, hin und hergerissen zwischen der geliebten Mutter und dem vergötterten Puppentheater im hässlichen Magdeburg und dem idyllischen Wittenberg, wo die „Hexe“ Großmutter regiert. Wie sehr muss sie leiden, wenn sie zunehmend vergeblich auf die Mutter hofft, die sie nicht haben möchte. Wenn Oma sie unter Dauerstress setzt, sie tyrannisiert und zu Höchstleistungen antreibt, um den Nachbarn, dem Kindsvater und am meisten sich selbst etwas zu beweisen.
Ohnmächtig gegenüber dem Ränkespiel der Erwachsenen, wäre es nicht verwunderlich, dass sich Maren, von niemandem gewollt, verlassen und lieblos behandelt, aufgibt. Statt nach der Schule ihre Freizeit mit Freunden zu verbringen, zu spielen, sich auszutoben, warten Schläge und die Pflege von Haus und Hof auf sie. Auf den Schulanfang freut sie sich sehr. Doch Mutter und „Omilein“ geraten, wie immer, in Streit und ob dieser Tag mit ihr gebührend begangen wird, weiß sie nicht, „so wichtig war Maren nicht“.  
Bei allen Niederlagen und Quälereien entwickelt sie Ehrgeiz, Willensstärke und Schläue. Sie kommt schnell dahinter, was sie tun und sagen und was besser verschweigen sollte, um Ärger aus dem Weg zu gehen. Glücklicherweise geht die Kindheit an diesem erwachsenen Kind doch nicht vorbei. Maren entwickelt ihre eigene geheime Phantasiewelt, die ihr niemand nehmen kann. Manchmal spielen auch die russischen Soldaten mit ihr.
In ihrem Roman präsentiert die Autorin einen ausgezeichneten Schreibstil, der ohne langwierige Beschreibungen, lähmende Wiederholungen oder abgenutzte Floskeln auskommt. Sie entwickelt ihre individuelle abwechslungsreiche und bildhafte Sprache. Mit wenigen, gut gewählten Worten lässt sie mitreißende Szenen vor dem geistigen Auge erwachsen und Charaktere zum Leben erwecken. Die Nebenfiguren sind kurz und knapp umrissen, die Hauptfiguren so viel wie nötig skizziert. Mit den Wort- und Satzspielen und schließlich auch der flotten Verwendung des Dialektes perfektioniert sie ihren Stil.